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Es ist immer gefährlich, zu behaupten, dieser oder jener sei der erstegewesen. Sicher besteht jedoch Grund zu der Vermutung, dass Archimedes im 3. Jahrhundert v. Chr. als erster die Theorie des „Leichter als Luft“ erkannte, als er seine Texte über das Schwimmen von Körpern in Flüssigkeiten und Gasen schrieb. Zwei Jahrtausende wurde das Phänomen aufsteigender Warmluft mehr oder weniger ignoriert. Bis dann der Brasilianer Gusmao (geb. 1686) am 8. August 1709 dem König von Portugal einen Heißluftballon vorführte. Nach Berichten aus dieser Zeit bestand dieser aus einer kleinen Barke in Form eines Troges, bedeckt mit Segeltuch. Zusammen mit verschiedenen Destilaten, Quintessenzen und anderen Zutaten stellte er ein Licht darunter und ließ das genannte Boot in der Salla das Embaixades vor seiner Majestät und vielen anderen Personen fliegen. Es stieg ein Stück empor und stieß gegen die Wand, kam dann zum Boden zurück und fing Feuer, als die Materialien durcheinander gerieten. Einige Wandbehänge wurden in Brand gesetzt und alles, wogegen es stieß. Der König war gnädig und nahm es nicht übel. So hatte der verhältnismäßig unbekannte Brasilaner 74 Jahre vor den Gebrüdern Montgolfier die Welt mit dieser öffentlichen Vorführung eines Ballons in Staunen versetzt.
Die Montgolfiers
Im Sommer 1782 fragte sich der Franzose Joseph-Michel Montgolfier aus Avignon, warum Rauch, Funken und festere Stoffe unablässig durch den Kamin verschwanden. Sollte es nicht möglich sein, das Gas, welches sie trug, einzufangen und von Menschenhand hergestellte Objekte tragen zu lassen? Um seine Neugier zu befriedigen, nähte er einen Beutel aus dünner Seide und entzündete darunter ein Feuer. Die Hülle blähte sich auf und stieg zur Decke. Joseph verlor keine Zeit. Er nahm mit seinem Bruder Jacques-Etienne in Annonay Verbindung auf und schlug einen Versuch in größerem Rahmen vor. Etienne kam sofort. Nun starteten sie den Seidenbeutel vor dem Haus. Er stieg rund 20 Meter hoch, bis er abkühlte und langsam zur Erde sank. Es folgte eine ganze Serie von Tests mit immer größeren „aerostatischen Maschinen“, wie die Brüder ihre Entdeckung nun nannten. Sie erreichten eine Rekord-Flughöhe von etwa 300 Metern. Dabei trieb der Wind das Versuchsgerät 1500 m weit. Bis dahin waren die Versuche geheim gehalten worden. Jetzt aber entschlossen sich die Brüder zu einer öffentlichen Vorführung. Sie nähten eine große Ballonhülle aus Leinwand und Papier. Am 4. Juni 1783 entzündeten sie in Anwesenheit einer großen Menschenmenge auf dem Marktplatz in Annonay ein Strohfeuer darunter. Acht Männer bemühten sich, den Ballon festzuhalten. Als sie auf Kommando losließen, hob die Hülle vom Boden ab und erreichte eine Höhe von angeblich 1830 m. Nun erst informierten die Gebrüder Montgolfier die Academie des Sciences in Paris. Sie wurden sofort zu einer Vorführung gebeten. Die Academie beschaffte Mittel für weitere Forschungen. Statt das Geld jedoch den Montgolfiers zu übergeben, beauftragte die Academie einen jungen französischen Physiker, Professor Jacques Alexandre Cesar Charles, die Arbeit fortzusetzen. Etienne Montgolfier demonstrierte noch einmal eine reich verzierte Ballonhülle der Academie. Zum 19. September 1783 luden König Ludwig XVI. und Marie Antoinette daraufhin die Brüder Montgolfier zu einer Vorführung nach Versailles ein. Ein in nur vier Tagen fertig gestellter neuer Ballon - das Original war vom Regen beschädigt worden - wurde für den großen Tag bereit gestellt. Die Montgolfiers befestigten einen Käfig mit einem Schaf, einem Hahn und einer Ente am Ballon. Diese ganze Menagerie landete nur geringfügig beschädigt nach knapp zweieinhalb Kilometern Flug. Der König verlieh den Brüdern den St.-Michaels Orden, und von dieser Zeit an wurden alle Heißluftballons Montgolfieren genannt.Es verstand sich von selbst, dass nun der Mensch an der Reihe war. Ein weiterer Ballon sollte zwei Menschen tragen. König Ludwig XVI. war der Meinung, dass man einigen zum Tode verurteilten Verbrechern die Chance bieten könnte, frei zu sein, wenn sie freiwillig in einer Montgolfiere fliegen würden. Aber Jean-Francois Pilatre de Rozier, der das Unternehmen von Anfang an aktiv unterstützt hatte, erhob Einspruch. Man sollte doch die Ehre, der erste Mensch in der Luft zu sein, nicht einem Verbrecher zuteil werden lassen. Sein Einspruch fand Gehör. Am 15. Oktober 1783 stieg Pilatre de Rozier mit einem angeleinten Ballon, also einem Fesselballon, auf 26 Meter. Er blieb viereinhalb Minuten in der Luft. Nach einer Serie solcher Flüge unternahm Pilatre de Rozier zusammen mit einem Passagier, dem Marquis d'Arlandes, am 21. November 1783 einen Flug ohne Fesselung. Zum Erstaunen aller Beteiligten blieben sie 25 Minuten in der Luft und landeten schließlich östlich von Paris.
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